und sonst

Ich lese ja nicht nur Krimis:

Rachel Joyce: Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Diesen Gedanken hatte vermutlich schon jeder: Man fährt zum Einkaufen und denkt, was wäre wenn ich einfach immer weiter fahren würde, weg von dem ganzen Sch… ? Einfach weg, alle Verantwortung hinter sich lassen, so wie Lucky Luke in den Sonnenuntergang reiten. Und nach mir die Sintflut.

Genau das macht Harold Fry, allerdings ohne Überlegung. Es passiert ihm einfach. Rentner Harold und seine Frau leben völlig ereignislos nebeneinander her, Kommunikation findet nicht mehr statt. Beide haben sich von allem abgekapselt. Da bekommt Harold einen Brief von einer alten Bekannten. Sie liegt im Sterben und will sich verabschieden. Zunächst will Harold nur den Brief beantworten, doch er läuft am Briefkasten vorbei und am nächsten und am nächsten. Ohne Vorbereitung, ohne Plan macht er sich auf zu einem Marsch über 1000 Kilometer. Auf diesem Weg findet er zu sich selbst und lernt auch eine Menge über die Menschen.

Ein wunderbares Buch, ganz zu Recht monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann es nur empfehlen.

 

Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer

Das komplette Kontrastprogramm zur oftmals doch einfachen Sprache von Krimiautoren. Siri Hustvedt erzählt in der Ich-Form von Mia, einer Dichterin, die nach dreißig Jahren Ehe von ihrem Mann verlassen wurde, wegen einer kleinen „Pause“, die sich als Französin herausstellt.  Nach einem Zusammenbruch und Klinikaufenthalt fährt sie in den Ort, in dem ihre Mutter lebt und versucht dort, im Kreise der Mutter und ihrer Freundinnen, mit der Situation ins Reine zu kommen. Was in Hollywood vermutlich als simple Geschichte verfilmt werden würde inklusive Happyend ist hier ein sprachgewaltige Erzählung, die nicht unbedingt in der zeitlichen Reihenfolge, aber dennoch niemals ohne roten Faden erzählt wird. Tatsächliche Begebenheiten, Phantasien und Gedichte werden miteinander vermengt durch eine Sprache, die manchmal nicht leicht zu lesen ist, einen aber dennoch sofort in seinen Bann zieht. Absolut lesenswert.

Christopher Paolini: Eragon – Das Erbe der Macht

Quelle: cbj-Verlag

OT: Inheritance. The Vault of Souls, USA , D 2011, cbj-Verlag

Der vierte und letzte Teil der Eragon-Saga. Obwohl eine Menge Kampfgetümmel, habe ich das Buch keineswegs langweilig gefunden. Es entwickelt sich alles zu meiner Zufriedenheit: Galbatorix hat bekommen, was er verdient hat, Alagaësia ist befreit. Natürlich mussten einige Sympathieträger dran glauben, aber das war dramaturgisch unausweichlich. Ich finde es sehr erstaunlich, was für eine enorm umfangreiche Welt dem Kopf eines 15jährigen entspringen konnte (beim ersten Band war Paolini tatsächlich noch so jung). Natürlich gibt es einige Parallelen zum „Herrn der Ringe“, doch das schadet nicht.

Ich hätte nur zwei Sachen zu meckern: erstens hätte ich gern gewusst, wie es mit Eragon weitergeht und zweitens hätte die Romantikerin in mir gern gehabt, dass Arya und Eragon sich kriegen. Tja, man kann als Leserin eben nicht alles haben.

 

Joanne Fedler: Heißhunger

OT: When hungry, eat, Australien 2010, D 2011, Knaur Verlag

Der Klappentext des Buches führt auf eine völlig falsche Fährte. „Zwei Jahre Zeit, 24 Kilos zu viel und 14 Fusilli am Abend“. Das hörte sich für mich an, wie ein unterhaltsamer, nicht besonders tiefsinniger Roman über den Kampf gegen die Kilos. Aber das war es gar nicht. Die Autorin schreibt in dieser Autobiografie zwar auch über das Abnehmen, aber vor allem über die Entwurzelung einer Frau, die aus ihrer Heimat in Südafrika nach Australien auswandert. Obwohl die neue Heimat viel sicherer ist als die alte, sie nicht zu den sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ gehört, sondern die Sprache spricht, gut ausgebildet ist, ihr Lebensgefährte sofort einen Job hat, und Australien ein schönes Land und auch für ihre Kinder viel besser ist, ist das nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Das Gefühl von Einsamkeit, von „Nicht-dazu-gehören“, das Gefühl, dass man irgendwie zwischen sämtlichen Stühlen sitzt, die Frage, ob man das richtige getan hat, das alles hatte ich mir nie klar gemacht. Und wenn man dann an die vielen Einwanderer in unserem Land denkt, fragt man sich unwillkürlich, wie die sich fühlen. Ich habe mir das vorher nie so richtig überlegt.

Fazit: ein lesenswertes Buch, das einen zum Nachdenken bringt, unterhaltsam, wenn auch manchmal ein bisschen durcheinander.

Carrie Brown: Der Träumesammler

Eine Liebesgeschichte zwischen einem älteren Mann und einer ca. 10 Jahre jüngeren Frau. Die beiden kennen sich schon ihr Leben lang, doch bisher war niemals irgendwelche Gefühle im Spiel. Vida kümmert sich seit Jahren um einen behinderten jungen Mann und Mr. Lamb ist der Posthalter und Organist im Dorf, ein alter Junggeselle, den plötzlich Armors Pfeil getroffen hat. Doch was eigentlich sehr romantisch sein könnte, hat bei mir seinen Sinn verfehlt. Ich habe mich gelangweilt und nach der Mitte des Buches die Todsünde des Lesers begangen und das Ende gelesen. Das hat mir auch keine Lust darauf gemacht, den Rest noch zu lesen. Vielleicht bin ich einfach nicht romantisch genug.

Paulo Coelho: 11 Minuten

Eine junge Brasilianerin auf der Suche nach der Liebe. Sie schlägt sich als Prostituierte durch, doch die Männer, denen sie ihren Körper gibt, berühren ihre Seele nicht. Mir hat es nicht sehr gefallen. Die junge Frau irgendwo vom Dorf, nicht sehr gebildet, philosophiert in ihrem Tagebuch plötzlich äußerst tiefsinnig über die Liebe und das Leben; das ist schon sehr unglaubwürdig. Und solche Überlegungen habe ich auch schon gehabt, aber mit 18 Jahren. Das ist nicht die Liebe, das ist Verlieben, Begehren, weiß der Geier was, aber Liebe ist es nicht. Ich habe das Buch zwar zuende gelesen, aber es hat mir nichts gebracht.

David Nicholls: Zwei an einem Tag

OT: One Day, GB 2009, D 2010, Verlag Kein und Aber

Bild: Verlag Kein & Aber

Erst wollte ich das Buch gar nicht lesen, aber weil es mir von einer Freundin geschenkt wurde, dachte ich, na ja, muss ich wohl. Und es war eine richtige Überraschung! Zwei 20jährige steigen an einem 15. Juli im Jahr 1988 zusammen ins Bett. Es könnte alles daraus werden oder nichts. Von diesem Tag an wird jeweils am 15 Juli des Jahres bis heute erzählt, was aus ihnen geworden ist, jeweils einmal aus ihrer und aus seiner Perspektive. Es ist stellenweise total witzig, vieles kommt einem auch aus dem eigenen Leben bekannt vor. War ich mal so? Ja, war ich wohl. Ich habe mich keine Sekunde bei der Lektüre gelangweilt und es war weder kitschig noch langatmig. Der Klappentext war allerdings ziemlich blöd.

Dieter Moor: Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht

Geschichten aus der arschlochfreien Zone

Schweizer Moderator zieht in die Mark Brandenburg, genau dahin, wo laut Klischee die Ossis alle abhauen. Alle halten ihn für verrückt, er sich selbst auch, aber er macht’s, mit Frau und Enten, Pferden, Katzen und Berner Sennenhunden. Und er ist sehr überrascht, was ihn in Amerika, einem kleinen Dorf nicht weit von Berlin, erwartet.

Das ist nicht sehr tiefgründig, aber äußerst unterhaltsam. Ich habs in zwei Tagen weggelesen und mich prima amüsiert. Er beschreibt sehr treffend das Leben auf dem Dorf, egal, ob Ossi-Dorf oder Wessi-Dorf. Was mir allerdings am meisten gefallen hat, ist das Staunen des Schweizers über die Freiheit und Verwegenheit der Deutschen. Ich als Deutsche empfinde das ein bisschen anders. Hier gibt’s mehr Vorschriften und Gesetze als sich irgendjemand vorstellen könnte und der Deutschen beliebtestes Wort in der Werbung ist „Sicherheit“. Autos sind sicher, Zahnpasta ist sicher! Und da scheint es tatsächlich noch ein Land zu geben, in dem sie noch schlimmer sind… Sehr erheiternd, diese völlig neue Sichtweise auf unser Land.

A. M. Homes: Dieses Buch wird Ihr Leben retten

Tja, meins nicht. Richard Novak, reich, geschieden und isoliert lebend, wird nachhaltig von einer Panikattacke aus seinem nett abgeschotteten Leben gerissen. Er beschließt, wieder am Leben teilzuhaben und sofort rollt dieses pralle Leben wie eine Lawine über ihn. Sein Haus droht in einem Erdloch zu versinken, er lernt einen netten – und verrückten – Donuthändler kennen, rettet eine entführte Frau, nähert sich seinem Sohn wieder an und und und… Ein bisschen viel des Ganzen und selbst für einen Kalifonier ein wenig überzogen, erst recht für mich, die ich nicht jeder Laune nachgeben kann und mal eben zwei brandneue Käfer-Cabrios kaufen kann, bloß um irgendwen glücklich zu machen, ganz zu schweigen von den andern Tausenden Dollars. Nett zu lesen, aber ohne irgendwelche Auswirkungen auf mein Leben.

Isabel Allende: Das Siegel der Tage

„Den Lebensweg geht man ohne Karte, man setzt einen Fuß vor den anderen, und ein Zurück gibt es nicht.“

Isabel Allendes Sippe ist groß und chaotisch. Das Buch erzählt, wie es mit der Familie nach dem Tod der Tochter Paula weiterging, durch Höhen und Tiefen, und Isabels Einstellung zum Leben als Weg ins Unbekannte ohne Rückfahrkarte bestätigt sich immer wieder. Wieder zeigt sie, was sie am besten kann: erzählen, erzählen, erzählen. Eine Geschichte reiht sich an die andere und langweilig ist es nie.

Reif Larsen: Die Karte meiner Träume

Ein tolles Buch. So etwas habe ich noch nicht gelesen. Allerdings musste ich es mit einer Lupe lesen, denn es ist mit vielen Zeichnungen geschmückt, weil der Ich-Erzähler Kartograf ist. Und wenn man erst mal in einem bestimmten Alter ist, kann man die winzigen Zeichnungen nicht mehr gut mit bloßem Auge erkennen. Absolut lesenswert.

John Irving: Letzte Nacht in Twisted River

Ein absolutes Muss für Irving-Fans. Alles vorhanden, was man kennt: Bären, Ringer, Kinder mit nur einem Elternteil. Die heimliche Hauptperson des Romans wurde mir erst gegen Ende klar. Und seit langer Zeit habe ich beim Lesen mal wieder geweint. Ein super Buch.

Monica Ali: Hotel Imperial

Langweilig. Der Klappentext hörte sich interessant an, aber das Ganze kam nicht in die Gänge. Habs in der Mitte weggelegt.

Paul Auster: Nacht des Orakels

Ein typischer Auster: Wortgewaltig, unterhaltsam, verrückt, ein bisschen übersinnlich. Klasse!

Friedrich Christian Delius:Die Frau, für die ich den Computer erfand

Fiktives Interview mit Konrad Zuse, der als alter Mann auf sein Leben zurückblickt. Ziemlich intellektuell, nichts für mal eben nebenbei beim Fernsehen, aber total interessant. Ich habe mich nicht gelangweilt, obwohl es sich um eine reines Kammerstück handelt.

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