Kriminale in Moers 2010

Vom 27.2. – 21.3.2010 findet in Moers wieder die Krimale mit Lesungen von Autoren und vielen Veranstaltungen rund um Krimis und Thriller statt.

Wenn Sie mehr wissen wollen: Link zur Information auf den Seiten der Stadt Moers.

Das Programm finden Sie hier.

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Kathy Reichs: Der Tod kommt wie gerufen

OT: Devil Bones, USA 2008, D 2008, Taschenbuch 03/2010

Die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan wird zu einem ungewöhnlichen Leichenfund gerufen. Im Keller eines leer stehenden Hauses in Charlotte wird ein menschlicher Schädel und zwei Kessel, gefüllt mit menschlichen Überresten, gefunden. Die Inszenierung deutet auf religiöse Praktiken hin. Die Ermittlungen führen zu den verschiedensten Religionen, Wicca, Santeria und ähnliche Kulten. Unausweichlich treten sofort moralinsauere Eiferer auf den Plan, die den Leichenfund in die Nähe von Satanismus und ähnlichen Praktiken rücken wollen.

Dr. Brennans Neugier ist geweckt, weit über das berufliche hinaus. Zusammen mit den Detectives Rinaldi und Slidell untersucht sie den Fall. Bald schon gibt es eine weitere Leiche, die eines jungen Strichers. Auch beim ihm finden sich Hinweise auf religiöse Praktiken. Für die Presse sind die Morde natürlich ein gefundenes Fressen. Eine hysterische Hexenjagd beginnt.

Die Bücher von Kathy Reichs um Tempe Brennan, wie sie von ihren Freunden genannt wird, sind normalerweise sehr spannend und auch – aufgrund des Wissens, das dahinter steckt – sehr interessant. Doch dieses Buch bleibt eigenartig flach. Obwohl man gern einige Figuren wiedertrifft, Tempes Exmann, ihre Tochter und den kanadischen Kriminalbeamten Ryan, mit dem sie eine schwierige Beziehung verbindet, bleiben andere Figuren eigenartig fremd, so zum Beispiel Detective Rinaldi. Es verliert sich häufig in eher technischen Details, was auf Kosten der Geschichte geht. Auch das Ende kommt dann irgendwie überraschend. Doch auch Kathy Reichs macht sich, wie so viele ihrer Kollegen, Gedanken über die Veränderungen, die in den USA vor sich gehen, eine Abkehr von Toleranz und Verständnis, hin zur Ablehnung alles Fremden. Nichtsdestotrotz nicht eines ihrer besten Bücher.

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David Baldacci: Die Wächter

OT: The Camel Club, USA 2005, D 2007

Der Camel-Club, übersetzt Kamel-Klub, ist einer der kleinsten Clubs der Welt. Er besteht nur aus vier Männern, einem Programmierer mit Zwangsstörungen, einem Bibliothekar, einem Ex-CIA-Agenten und Oliver Stone, der eine sehr geheimnisvolle Vergangenheit hat. Diese vier Männer, allesamt in den besten Jahren, haben es sich auf die Fahne geschrieben, den Mächtigen in den USA auf die Finger zu schauen und ihr Vaterland auf ihre ganze eigene Art zu verteidigen. Sie sind bestens darüber informiert, was sich in den Ebene der Macht in Washington abspielt.

Eines Tages werden sie zufällig Zeugen eines Mordes. Die Mörder versuchen die unliebsamen Beobachter ebenfalls zu beseitigen, doch der Versuch schlägt fehl. Der Tote war Mitarbeiter eines Geheimdienstes und im Laufe der offiziellen Ermittlungen stellt sich heraus, dass er wesentlich über seine Verhältnisse gelebt hat. Als Geldquelle kommen eigentlich nur Drogengeschäfte in Betracht. Die Ermittlungen werden teilweise von Alex Ford, einem Mitarbeiter des Secret Service durchgeführt. Alex, der gut mit Oliver Stone befreundet ist, stellt schnell fest, dass es etwas ganz anderes dahinter stecken muss. Der Camel Club, Alex Ford und eine junge FBI-Agentin geraten in größte Gefahr.

Einer der besten Thriller, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Zunächst hatte ich einige Probleme damit, dass die Figuren quasi losgelöst voneinander eingeführt werden. Doch je weiter man liest, desto interessanter wird es. Das Buch ist aufgebaut wie ein Puzzle, bei dem ein Stück nach dem anderen an seinen Platz fällt.

Das eigentliche Thema des Buches, die Auseinandersetzung zwischen dem Islam und der westlichen Welt, der Einfluss der Amerikaner auf den Rest der Welt (politisch und militärisch) und eine sehr kluge Analyse der Entwicklung zum heutigen Stand (Iran, Irak, Afganistan) ist äußerst aktuell. David Baldacci verteufelt weder die Amerikaner noch den Islam, im Gegenteil, er stellt sehr einfühlsam dar, warum es so oft zu Hass und Terrorismus gekommen ist.  Auch seine Überlegungen, wie die Konflikte zu bewältigen sein könnten, wie man es besser machen könnte, bieten viel Stoff zum Nachdenken.

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Castle – Die neue Krimiserie auf Kabel 1

Gestern war die erste Folge von „Castle“ im Fernsehen zu sehen. Der Plot ist schnell erzählt.

Richard Castle (Nathan Fillion) ist ein sehr erfolgreicher, gut aussehender und nicht dummer Bestsellerautor, der nur unglücklicherweise gerade eine Schreibblockade hat, nachdem er seinen erfolgreichen Helden dummerweise hat sterben lassen. In der Folge fällt ihm leider nichts neues ein. Er findet sein Leben langweilig und hervorsehbar. Selbst die hübschen Frauen, die in Massen hinter ihm her sind, können ihn nicht inspirieren.

Da geschehen drei Morde, die sich an seinen Büchern orientieren. Sie entsprechen fast genau der literarischen Vorlage, allerdings gibt es kleine Abweichungen. Detective Kate Beckett (Stana Katic), die gerne Krimis liest, bemerkt den Zusammenhang und holt sich Castle, allerdings nicht ganz freiwillig, als Berater. Zusammen setzen sie sich erfolgreich auf die Spur des Mörders. Leider beflügelt die Erfahrung die Phantasie des Schriftstellers und dank seiner Beziehungen zum Bürgermeister wird Castle für längere Zeit zum Berater der Polizei. Detective Beckett ist not amused.

Die Figur des Castle erinnert stark an den „Mentalisten“. Ebenfalls gut aussehend, frech und intelligent, bemerkt er genauso viele Kleinigkeiten in seiner Umgebung. Doch während der Mentalist eine düstere Vergangenheit mit Schuldgefühlen und Rachegedanken mit sich herumschleppt, scheint Castle von solchen Dingen komplett unbeleckt. Was er will, das nimmt er sich und Spaß scheint das einzige zu sein, das ihn interessiert. Daneben wird seine Serienkollegin ein bisschen blass. Aber vielleicht entwickelt sich das ja noch. Als positiv habe ich empfunden, dass dieses Mal keine Leichen und Verwundungen in Großaufnahme gezeigt wurden und man als Zuschauer nicht einer einzigen Autopsie beiwohnen musste. Das nahm in der letzten Zeit ein wenig überhand. Ansonsten scheint es eine unterhaltsame Serie zu sein, ohne besonderen Anspruch oder Tiefgang. Genau das Richtige, wenn man gerade nichts anders zu tun hat.

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Clive Cussler und Dirk Cussler: Der Fluch des Khan

OT: Treasure of Khan, USA 2004, D 2007

Schon wieder ein Roman von Clive Cussler! Tja, irgendwie finden die immer den Weg zu mir. Und endlich wieder ein Clive Cussler mit Dirk Pitt und Al Giordino. Dirk ist nach wie vor mein Lieblingsheld bei Cussler. Dieses Mal wird die Welt von einem größenwahnsinnigen Mongolen bedroht, einem Nachkommen von Dschingis Khan. Um in die Fußstapfen seines Vorfahren zu treten, geht er nicht nur über Leichen, nein, er entfesselt auch Naturgewalten wie Seiche-Wellen (so etwas wie ein Tsunami, nur auf einem Binnengewässer) und Erdbeben. Ziel ist es, China dazu zu zwingen, die innere Mongolei an die Mongolen zurückzugeben um dann das Mongolenreich zu neuer Größe zu führen.
Durch einen Zufall werden Dirk und Al, als sie auf dem Baikal-See Untersuchungen durchführen, in das mörderische Geschehen verwickelt. Sie können einige Forscher durch eine verwegene Aktion vor dem sicheren Tod retten, nur um zusehen zu müssen, wie die Geretteten etwas später spurlos verschwinden. Die beiden machen sich auf die Suche. Die Spur führt von Sibirien in die Mongolei, nach Xanadu… Auch der übliche Auftritt von Clive Cussler selbst fehlt dieses Mal nicht.

Nachdem Dirk Pitt inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen ist, und zum Direktor der NUMA befördert wurde, hatte ich schon befürchtet, dass das Ende seiner Abenteuer gekommen ist. Seine Kinder, die Zwillinge Dirk und Summer, sind wahrhaftig kein gleichwertiger Ersatz. Doch noch ist Dirk der Ältere nicht gewillt, sich aufs Altenteil zurückzuziehen.

Der Roman ist wie üblich voller Action, ein Irrer will die Weltherrschaft und einige wirklich interessante Geschichtsinterpretationen vervollkommnen das Ganze. Dennoch hat das Buch einige Längen. Vielleicht liegt es daran, dass er hauptsächlich auf dem festen Land spielt und nicht auf dem Meer. Dennoch das Richtige für ein langes Wochenende.

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Fred Vargas: Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord

OT: L’Homme aux cercles bleus, Frankreich 1996, D 1999

Was für ein selten dämlicher deutscher Titel! Der Originaltitel hätte es wesentlich besser getroffen. Denn darum geht es: um blaue Kreise, die ein Mann im nächtlichen Paris auf die Straße malt, immer mit einem Objekt in der Mitte, eine Puppe, eine Flasche, und was sonst dort herumliegt. Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, der gerade aus der tiefsten Provinz nach Paris gewechselt hat, schwant Übles. Er glaubt, dass hinter diesen – eigentlich harmlosen – Kreisen etwas anderes versteckt ist… und er hat Recht. Eines Tages liegt eine Leiche im blauen Kreis, und es bleibt nicht bei dieser einen.

Manchmal zappt man abends durchs Fernsehprogramm und sieht dann drei Minuten irgendeines Films und man weiß: französisch. Genau so ist es bei diesem Buch: selbst wenn man nicht wüßte, aus welchem Land es kommt, kann man das nach zwei Seiten sicher sagen: französisch. „Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord“ ist der erste einer ganzen Serie, deren Hauptfigur Kommissar Adamsberg ist, ein grüblerischer, ziemlich merkwürdiger Typ, der eine ganz eigene Meinung zum Leben hat. Sein Untergebener, Danglard, kommt nicht immer leicht mit ihm zurecht. Dennoch sind sie zusammen ein gutes Team. Die Beschreibung der Figuren, die teilweise äußerst skurril daherkommen, und ihres Innenlebens scheint der Autorin manchmal wichtiger zu sein, als die eigentliche Mordermittlung. Die Beziehungen der Menschen untereinander und die Dinge, die sich daraus entwickeln, sind sehr einfühlsam porträtiert.

Ein Thriller, der ganz anders geschrieben ist, als der „normale“ Thriller, der eine große Genauigkeit in der Beschreibung zeigt, die man aus anderen Büchern nicht gewöhnt ist. Auf jeden Fall sollte man diese Reihe weiterverfolgen.

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Sara Woods (1922 – 1985)

Wer kennt heute noch die Thriller von Sara Woods? Sie wurden in den 60er Jahren vom Goldmann Verlag (den Goldmann Taschen Krimis) herausgegeben. Auf dem Cover von „Die Zeugen widersprechen sich“ steht als Slogan „Eine würdige Nachfolgerin von Agatha Christie“. Dem würde ich nicht unbedingt zustimmen. Die Krimis von Sara Woods sind eher eine Mischung zwischen Gerichtsthriller und Elizabeth George.

Hauptfigur ist ein junger Anwalt, Anthony Maitland. Er lebt zusammen mit seiner Frau Jenny in einem Haus, das er sich mit seinem Onkel und Anwaltskollegen, Sir Nicholas Harding, und später auch dessen Frau teilt. Anthony Maitland ist ein sensibler Mann, der mit seiner unkonventionellen Denkweise sowohl seinen Onkel, den Kronanwalt, als auch ihrer beider Bürovorsteher in den Wahnsinn treibt. Er ist mit einem überaus empfindlichen Gerechtigkeitsgefühl und großem Mut, der hieraus erwächst, ausgestattet. Das bringt ihn öfter als ihm lieb ist, in Gefahr.

Die Reihe um Anthony Maitland und seine Mitstreiter – und nicht zu vergessen, sein Widerpart, die Polizei, meist in Gestalt von Chefinspector Sykes – entwickelt sich im Laufe der Zeit. Die Krimis lassen sich zwar einzeln lesen, weil die Geschichten in sich abgeschlossen sind, doch die Figuren entwickeln sich weiter. Daher ist es für den Leser am interessantesten, die Bücher chronologisch zu lesen.

Sara Woods ist das Psydonym von Lana Hutton Bowen-Judd. Sie wurde am 7.3.1922 in Bradford, Yorkshire, in England geboren und wanderte 1957 nach der Heirat mit ihrem Mann Anthony nach Halifax in Kanada aus. Sie starb am 5.11.1985 in Niagara-on-the-lake, Ontario. Während des zweiten Weltkriegs arbeitete sie unter anderem als Bankangestellte und Anwaltsgehilfin, was ihren Büchern einen fundierten Hintergrund bezüglich der englischen Gerichtsbarkeit gibt. In Halifax arbeitete sie bis 1964 als Archivarin an der Universität St. Mary’s. Ihren ersten Roman veröffentlichte sie 1962.

Ihre Bücher sind heute nur noch auf Flohmärkten zu finden, doch falls Sie die Gelegenheit haben, nehmen Sie sie mit. Sie sind aus einer anderen Zeit, doch deshalb nicht langweilig.

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Jeffery Deaver: Die Menschenjägerin

OT: The Sleeping Doll, USA 2007, D 2009

Daniel Pell ist ein wegen Mordes verurteilter Sektenführer. Nach acht Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis wird er wegen der Untersuchung zu einem anderen Mordfall verlegt. Kurz nach einem Verhör mit der CBI-Agentin Kathryn Dance entkommt er in einer spektakulären und sehr blutigen Befreiungsaktion. Kathryn setzt sich auf seine Spur. Dazu muss sie tief in seine Psyche eintauchen, verstehen wie er tickt und wissen, was er vorhat, bevor er es selbst weiß. Das FBI stellt ihr einen Kultspezialisten zur Seite, der Erfahrung mit Typen wie Daniel Pell hat.

Das Team versucht, so viel wie möglich über ihn, seine Opfer und seine ehemalige „Familie“ herauszufinden. Dabei kommt es immer wieder zu Überraschungen. Und obwohl man als Fan von Jeffery Deaver weiß, das ganz häufig die Dinge – bzw. die Personen – die das sind, was sie zu sein scheinen, wird man doch wieder kalt erwischt. Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem dunklen Raum und wissen, dass gleich jemand auftauchen wird. Sie behalten Tür und Fenster im Auge – und plötzlich springt der Böse aus dem Schrank. So ähnlich ist es bei Jeffery Deaver: man weiß, da kommt noch etwas und trotzdem…

Mit der Verhörspezialistin Kathryn Dance hat Jeffery Deaver eine neue Heldin erschaffen, die Lincoln Rhyme in nichts nachsteht, obwohl sie der genaue Gegenentwurf ist. Lincoln Rhyme glaubt nur an Fakten, an Dinge, Spuren, die man anfassen, zerlegen, riechen und beweisen kann. Er war praktisch der Godfather der CSI-Serien.

Dagegen ist Kathryn ganz auf die „weichen“ Fakten spezialisiert. Sie ist eine Art menschlicher Lügendetektor, erkennt aus der Körpersprache, der Betonung und sonstigen nonverbalen Signalen, was hinter einer Aussage oder deren Verweigerung steht. Nur in ihrem eigenen Leben, bei Menschen, die ihr nahestehen, funktioniert das nicht immer.

Ein super Buch mit einer super Heldin! Ich hab‘s in einem Rutsch durchgelesen (deshalb bin ich ziemlich müde – zu wenig Schlaf). Und falls Sie noch mehr von Jeffery Deaver lesen wollen: Die besten sind „Der Knochenjäger“ und „Die Tränen des Teufels“.

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