Brad Meltzer: Der Fall

OT: Dead Even, USA 1998, D 2011 als Aufbau-Taschenbuch, D 1999 unter dem Titel „Kopf an Kopf“

Sara Tate fällt direkt mit ihrem ersten Fall als Staatsanwältin böse auf die Nase. Um nicht das Opfer einer Sparwelle bei der New Yorker Bezirksstaatsanwaltschaft zu werden ist sie dringend auf einen guten Fall angewiesen. Als sich ihr die Gelegenheit bietet, schnappt sie sich einen vor der Nase eines Stars unter den Staatsanwälten weg. Doch die Folgen sind katastrophal: aus dem vermeintlich einfachen Fall wird eine Bedrohung für ihre Ehe und ihr Leben. Ihr Mann, der Anwalt Jared, wird gezwungen, den Fall als Verteidiger zu übernehmen und – falls er es nicht schafft – wird Sara getötet. Gleichzeitig taucht bei Sara ein Unbekannter auf und droht ihr mit dem Tod ihres Mannes falls sie verliert. Eine üble Situation: beide müssen unbedingt gewinnen, um den anderen zu retten. Und sie dürfen es niemand erzählen…

Eine ziemliche spannende Geschichte, genau wie sein anderer Roman „Das Spiel“. Lange Zeit weiß man nicht, wer da wen ausspielt und was dahintersteckt. Obwohl das Buch relativ alt ist, schon 14 Jahre, lange bevor Handys und Computer allüberall waren, hat es nichts an Unterhaltungswert verloren. Wer einen spannenden Justizthriller lesen will, ist mit diesem Buch gut bedient.

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Donna Leon: Das Mädchen seiner Träume

Commissario Brunettis 17. Fall
OT: The Girl of His Dreams, CH 2009, D 2009, Diogenes Verlag

“Das Mädchen seiner Träume” ist nicht etwa ein Schwarm des absolute treuen Commissarios Brunett, sondern ein totes 11-jähriges Mädchen, das ihn sogar bis in den Schlaf verfolgt. Sie wurde ertrunken aus einem der Kanäle gefischt, mit Diebesgut am – und im – Körper. Die Ermittlungen führen Brunetti in eine völlig andere Welt, die der Roma, die als Ausgestoßene außerhalb von Venedig leben. Dort findet er Menschen vor, deren Lebensweise ihm völlig fremd ist. Der Vater scheint sich nicht sehr für seine tote Tochter zu interessieren, die verzweifelte Mutter darf nicht mit ihm sprechen. Weiterlesen

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Deborah Crombie: Die stillen Wasser des Todes

OT: No Mark Upon Her, GB 2011, D 2011, Goldmann Verlag

Rebecca Meredith, eine Ruderin von Weltklasse und Polizistin, wird vermisst. Doch dann wird ihre Leiche vom Hundeführer Kieran Connolly am Wasser gefunden. Da Rebecca Polizistin war und wohl auch nicht der einfachste Mensch ergeben sich für die Ermittler viele Möglichkeiten. War es ein Racheakt oder war es eine persönliche Angelegenheit? Weiterlesen

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Heidrun Scholz: Mitgift

Quelle: Theiss-Verlag

Deutschland 2012, Konrad-Theiss-Verlag

Noch ein Krimi aus dem Theiss-Verlag, dieses Mal aus Reutlingen. Und er gefällt mir eigentlich noch besser als „Dr. Ohio und der zweite Erbe“ aus Tübingen. Nach und nach lernt man über die Regional-Krimis ganz Deutschland kennen, was ja nicht schlecht ist. Wo genau ist überhaupt Reutlingen?

Verena Paul, Kriminalkommissarin, die in ihrer Handtasche ihren Nackthund herumschleppt, hat den Mord an einem Journalisten zu klären. Der Kulturkritiker wurde tot aufgefunden, nachdem er bei einer Dichterlesung war. Ein Motiv scheint in seiner Vergangenheit zu liegen. Noch während Verena Paul ermittelt, geschieht ein zweiter Mord. Gleichzeitig besteht ihr Chef darauf, dass sie drei ungeklärten Todesfällen in einem Altersheim nachgehen soll. Doch während sie und ihre Kollegen noch ermitteln, weiß der Leser schon mehr. Es gibt eine Verbindung…

Gut zu lesender, leider zu kurzer Krimi mit gerade mal 214 Seiten. Verena ist eine sympathische Hauptfigur, ein bisschen seltsam, aber wer ist das nicht? Auch ihr Privatleben ist ein bisschen ungewöhnlich, zumindest was die Menschen in ihrer Umgebung angeht. Die Personen der Handlung sind so charakterisiert, dass man sich die Leute richtig gut vorstellen kann. Es gibt zwar das eine oder andere lose Ende, das in der Geschichte aber nicht stört: nur meine Neugier ist nicht befriedigt. Warum ist der Chef so stinkig? Und was passiert mit dem fiesen Typ im Altersheim?

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Mark Stichler: Dr. Ohio und der zweite Erbe

Deutschland 2012, Theiss Verlag

Dr. Ohio, ein japanischer Psychologe, der der Liebe wegen (unerfüllt!) vor Jahren in Tübingen hängen geblieben ist, wird von seinem Schachpartner und einzigen Freund Höpfner, dem Inhaber einer Buchhandelskette, als Testamentsvollstrecker benannt. Dieser ist bei einer Explosion überraschend ums Leben gekommen. Wenn die Erben nicht innerhalb von 6 Monaten gefunden werden, geht das gesamte Vermögen an den Anwalt Dr. Laudtner, Höpfners Archivar Vähri Wieri und eine Stiftung, die von diesen beiden verwaltet werden soll.

Dr. Ohio nimmt den Auftrag ernst und macht sich auf die Suche. Seine Gegenspieler, der Anwalt, der gewaltig Dreck am Stecken hat, und der finnische Archivar, ein glühender Calvinist, der sich weit höhere Ziele erträumt als den schnöden Mammon, setzen alles, aber auch alles, daran, dies zu verhindern.

Obwohl schon am Anfang klar ist, wer die Bösen und wer die Guten sind, ist das Buch an keiner Stelle langweilig. Man verfolgt mit Spannung, ob es dem durchgeknallten Finnen gelingt, Dr. Ohio und den zweiten Erben um die Ecke zu bringen. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen.

Natürlich gibt es auch Schwächen. Ich hatte ein bisschen Probleme, mir die Protagonisten vorzustellen, sowohl äußerlich als auch (bei einigen) Ihre Charaktere und Beweggründe. Die Gedanken und Gefühle von Dr. Ohio scheinen mir ziemlich deutsch zu sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der mit Anfang 20 aus Japan nach Deutschland kommt, so deutsch wird, auch nicht nach 25 Jahren. Aber es kann natürlich sein, dass ich über meine eigenen Vorurteile stolpere.

Ich fand das Buch sehr unterhaltsam; außerdem habe ich Lust bekommen, mir mal Tübingen anzusehen. Anscheinend ist es Mark Stichlers erstes Buch für Erwachsene. Da kann ich nur sagen: weiter so!

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Douglas Preston, Lincoln Child: Revenge – Eiskalte Täuschung

Quelle: Droemer Verlag

OT: Cold Vengeance, USA 2011, D 2011, Droemer Verlag

Entgegen meinen Gewohnheiten habe ich dieses Buch in gebundener Form gekauft, weil es sich jemand glühend gewünscht hat. Normalerweise kaufe ich keine gebundenen Bücher, obwohl ich sie sehr mag, aber für das Geld kann ich zwei Taschenbücher kaufen und je mehr Bücher, desto besser. Aber obwohl es um einen Fall von Special Agent Pendergast geht, muss ich sagen, dass ich wohl besser aufs Taschenbuch gewartet hätte. Ich habe mich nämlich ganz schön geärgert.

Es sieht so aus, als wäre Aloysius Pendergast getäuscht worden und seine Frau Helen noch am Leben, doch man weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, wer sind die Menschen, die hinter ihr her sind, was soll das Ganze?

Die interessante Figur des Special Agent Pendergast verliert immer mehr. Am Anfang gewann er meine „Zuneigung“ durch unkonventionelle Ermittlungsmethoden und einen gewissen geheimnisvollen Hintergrund. Dann wurden die äußeren Geschichten immer weniger und die Bücher entwickelten sich in Richtung Familiengeschichte der Pendergasts. Das wäre ja eventuell auch noch ganz spannend, wenn es sich nur nicht so ziehen würde wie Kaugummi. Schon im letzten Buch (Fever – Schatten der Vergangenheit) der Reihe ging es nur um Pendergast und seine angeblich vom Löwen gefressene Frau. Diese Geschichte führt schon zu keiner Auflösung und wer nun denkt, dass es in diesem Buch eine gibt, hat sich geirrt. Noch mehr Schauplätze (Schottland, New York, Louisiana, um nur einige zu nennen), noch mehr angedeutete Hintergründe, aber nie zu Ende gebracht, und am Ende wieder keine Lösung. Das kann man natürlich noch Buch um Buch um Buch in die Länge ziehen. Es entwickelt sich zum Selbstzweck.

Ich glaube nicht, dass ich das nächste Buch noch lesen werde. Höchstens, wenn es als Taschenbuch herauskommt, und selbst dann werde ich mich vermutlich wieder ärgern.

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Leenders, Bay, Leenders: Totenacker

Deutschland 2011, rororo

In Kleve werden bei Bauarbeiten mehrere Tote gefunden. Es stellt sich heraus, dass die sterblichen Überreste aus der Nazizeit stammen und einige der Toten unter Missbildungen gelitten haben. Ein schrecklicher Verdacht drängt sich auf: sind dies Spuren, die auf die „Vernichtung unwerten Lebens“ hinweisen? Das Team vom KK 11 geht diesen Fragen nach.

Gleichzeitig tut sich noch ein neuer Fall auf. Ein Kleinbauer ist zu Tode gekommen. Die Ermittlungen, in die vor allem Ackermann, das niederrheinische Urgestein, eingebunden ist, entwickeln sich in Richtung der Gen-Mafia.

Beide Themen des Krimis sind eigentlich sehr interessant, doch so, wie sie hier aufbereitet werden, gefällt mir das nicht. Ein Thema wäre eigentlich schon genug gewesen. So werden die Autoren keinem von ihnen gerecht und das merkt man auch. Die Nazi-Geschichte kommt erst gut in die Gänge und ist dann plötzlich – bumm – vorbei. Man hat den Eindruck, dass die Autoren nicht so richtig wussten, wie sie ein vernünftiges Ende erreichen sollten.

Auch der andere Erzählstrang, der ja eigentlich eine Menge Potential enthält, wird nicht richtig zu beendet. Dabei fand ich das alles sehr interessant. Natürlich habe ich auch schon von genveränderten Lebensmitteln gehört und sehe ja auch oft genug Versuchsfelder, aber welche Strukturen dahinterstehen, wo die Ursprünge herstammen, das war mir neu und ich fand es auch ziemlich erschreckend. Dieses Thema allein könnte schon einen dicken Krimi füllen. Patente auf Saatgut/Pflanzen – man fasst es nicht, dass es Patentämter gibt, die diese Patente überhaupt vergeben.

Also als Fazit: zwei interessante Themen, die allerdings zu kurz abgehandelt werden, nicht zusammenpassen und außerdem auch noch zu abrupt beendet werden. Irgendwie lassen die Krimis aus Kleve stark nach. Schade.

Nachtrag: Das Thema mit den gen-manipulierten Lebensmitteln ist aber so interessant, dass man den Krimi trotzdem lesen sollte. Es ist einfach so wichtig.

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Lee Child: Way Out

Quelle: Blanvalet Verlag

OT: The Hard Way, GB 2006, D 2011, Verlag Blanvalet

Jack Reacher ist ein ehemaliger Militärpolizist, über 1,90 m groß, mit allen Wasser gewaschen. Nach seinem Abschied lässt er sich durchs Leben treiben. Er hat keine Wohnung, keine Frau, nicht einmal Klamotten zum Wechseln. Wenn er sich neue Sachen kauft, wirft er die alten weg. Am liebsten hält er sich aus allem raus, beobachtet nur.

Doch das ist vorbei, als er zufällig eine Lösegeldübergabe beobachtet. Dadurch wird er in eine Entführungsgeschichte hineingezogen, hinter der sehr viel mehr steckt, als er zuerst vermutet. Frau und Stieftochter von Edward Lane, dem Chef einer privaten Söldnergruppe, der im Datoka-Building in New York eine Wohnung hat und auch ansonsten im Geld schwimmt, sind entführt worden. Für Lane ist es schon das zweite Mal: auch seine erste Frau wurde entführt und später ermordet aufgefunden. Er befürchtet, dass das zum zweiten Mal passiert. Seine Söldner sind ehemalige Soldaten, die eher Erfahrung damit haben, in Afrika und anderen Kontinenten in Kriege einzugreifen, doch sie sind keine Ermittler. Jack Reacher allerdings ist einer der besten. Doch es ist nicht alles so wie es zunächst aussieht. Er kommt keinen Zentimeter weiter, bis er Lauren Pauling kennenlernt, die ehemalige FBI-Agentin, die für die Ermittlungen im Entführungsfall von Lanes erster Frau verantwortlich war. Zusammen machen sie sich ans Werk. Die Entführer haben sich mit den Falschen angelegt.

Ich stehe auf Jack Reacher. Ein Mann ohne Firlefanz. Allerdings hoffe ich immer, dass er doch zumindest ein gewisses Kontingent an frischen Unterhosen in der Tasche hat. Jedes Mal, wenn ein Jack-Reacher-Roman hier herumliegt, laufe ich tagelang drum herum, keine Ahnung wieso. Wenn ich dann aber erst einmal damit anfange, kann ich nicht mehr aufhören, bis ich es zu Ende gelesen habe. Sie sind immer spannend (und logisch) und ich finde die Idee irgendwie irre, so ganz ohne Kind und Kegel, ohne Verantwortung durchs Leben zu gehen. Ich glaube zwar nicht, dass ich das aushalten könnte, aber manchmal ist der Gedanke sehr verführerisch, keine Veranwortlichkeiten, keine Rücksichtnahmen, kein Schmerz.

Das Buch ist spannend, wie immer, aber stellenweise ungewöhnlich grausam. Ich bin immer entsetzt, wenn ich sehe, was Menschen anderen Menschen antun. Dann bin ich froh, dass ich in einem Land lebe, in dem solche Dinge nicht an der Tagesordnung sind. Ich wünschte, diese Grausamkeiten würden mal ein Ende nehmen. Vielleicht passiert das eines Tages, aber ich bin nicht sehr optimistisch. Zu wenig Respekt vor dem Leben, zu viel Gier. Au je, solch philosophische Gedanken wegen eines simplen Thrillers!

 

 

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